Die Farbe Lila (The Color Purple)
Verfasst von chion am März 30, 2008
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1982 erschien der Roman The Purple Color von Alice Walker, und nur drei Jahre später nahm sich Regisseur Steven Spielberg der Geschichte einer jungen Farbigen in den Südstaaten der zwanziger Jahre an. Im Gegensatz zu Alice Walker, die für ihren Roman den Pulitzerpreis bekommen hat, ging Spielbergs Film trotz elf Oscarnominierungen leer aus. Die Geschichte handelt von der jungen Celie, einer Farbigen, die vom Stiefvater vergewaltigt zwei Kinder zur Welt bringt, welche ihr gleich nach der Geburt weggenommen werden. Sie wird mit dem schwarzen Farmer Albert Johnson verheiratet, einem Witwer, dessen drei Kinder ihn ebenso wie seine neue Frau mit “Mister” anzureden haben. |
Lange lässt Celie sich die Demütigungen ihres Mannes und seiner Kinder gefallen und leidet unter seinen Zorausbrüchen. Doch alles beginnt sich zu ändern, als Johnson seine kranke Geliebte Shug, eine Bluessängerin, ins Haus bringt und sie liebevoll umsorgt. Shug und Celia werden trotz aller Gegensätze Freundinnen und Celia lernt von der resoluten Sängerin, dass auch Frauen ein Selbstbewusstsein haben dürfen. Dennoch dauert es noch Jahre, bis Celia gegen ihren Mann aufsteht und ihren eigenen Weg geht.
Erzählt wird nicht nur Celias Geschichte, sondern auch die der Protagonisten um sie herum, zum Beispiel die von Johnsons Sohn Harpo und seiner resoluten Frau Sofia, die dafür, dass sie sich der Frau des Bürgermeisters widersetzt hat, für lange Jahre ins Gefängnis muss, oder Shug, die als Tochter eines Priesters von ihrem Vater verstoßen wurde, weil dieser ihren Lebenswandel missbilligt.
Whoopi Goldberg gibt in diesem Film ihr Leinwanddebut, und es ist sicher ihrer “Unprofessionalität” zu verdanken, dass sie die Celia so lebensnah und eindringlich und deren Entwicklung von der unterdrückten Ehefrau zu einer selbstbewussten und verzeihen könnenden Geschäftsfrau so glaubwürdig darstellt. Danny Glover als ihr jähzorniger Ehemann, der letztendlich erkennen muss, dass sein Egoismus und seine Gewalttätigkeit niemanden in seiner Umgebung zurückgelassen hat, wirkt trotz anscheinender Allmacht hilflos und ängstlich, unfähig, sich aus seinem gewohnten Leben zu lösen und sich den Neuerungen der Zeit anzupassen. Margaret Avery als Shug, Oprah Winfrey als Sofia und Akosua Busia als Celias geliebte Schwester Nettie runden das Bild hervorragend ab.
Die Musik zu diesem Film stammt von niemandem Geringeren als Quincy Jones und fängt die Stimmung und die Bilder stimmig ein. Der Choral zum Schluss, zu dem Shug die Besucher aus Harpos Jazzlokal in die Kirche ihres Vaters führt, ist bestens dazu geeignet, den Zuschauer eine Gänsehaut bekommen zu lassen.
Ich habe den Film schon mehrmals gesehen, das erste Mal vor über zwanzig Jahren, aber noch immer berührt mich Celias Geschichte. Ihr Leben, die Demütigungen, denen sie ausgesetzt ist, ihre Liebe zu ihrer Schwester, die fortgegebenen Kinder, nach denen sie sich ihr Lebenlang sehnt, und endlich der Punkt, an dem sie beginnt, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und sich der Gewalt, die von ihrem Ehemann ausgeübt wird, offen zu widersetzen, das ist so eindrücklich dargestellt, dass es mich jedes Mal wieder mitreißt. Und wenn Celia am Ende ihren Mann trifft und erkennt, dass er ebenso ein Opfer der Umstände gewesen ist wie sie und alle anderen, könnte ich in Tränen ausbrechen, so sehr bedauere ich alle, die in dem Film gelitten haben.
Trailer:
