Hard Candy
Verfasst von B!zzY am März 26, 2008
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Zusammenfassung Zwei Menschen treffen sich zu einem Blind Date im Café. Fotograf Jeff (Patrick Wilson) ist 32 Jahre alt und gespannt auf sein Gegenüber, die 14-jährige Chatroom-Bekanntschaft Hayley (Ellen Page). Hayley ist vorsichtig genug, keinen von ihm gemixten Drink zu trinken und tollkühn genug, dem Fremdling in dessen Wohnung zu folgen. Er ist unvorsichtig genug, ihre Drinks zu nehmen – und findet sich gefesselt auf dem Hocker wieder. Ein düsteres Spiel auf Leben und Tod beginnt. Ein Film zu einem akuten Thema: Missbrauch per Internet. In David Slades ebenso kontroversem wie intensivem Psychothriller dreht ein zurecht erzürnter Teenager den Spieß um und nimmt Rache an einem Täter – oder einem, den sie dafür hält. Quelle: kino.de |
Rezension
Obwohl dieser Film nun schon etwas älter ist (erschienen im Juni 2006 in Deutschland), ist er es dennoch Wert, ihn hier zu listen. Zu „Hard Candy“ bin ich ehrlich gesagt erst über den aktuellen Film „Juno“ gekommen, indem auch Ellen Page die Hauptrolle spielt.
Das Thema Missbrauch spiegelt sich zwar immer wieder in Filmen wider, aber dennoch hat „Hard Candy“ das gewisse Etwas. Dieses zeichnet sich für mich vor allem darin aus, dass die Rolle des vermutlichen Täters zu der des Opfers wird. Man wird automatisch in den Bann der Geschichte gezogen, was Zweifels ohne, neben der Handlung selbst, auch an den vielen manipulativen und psychoanalytischen Dialogen der beiden Protagonisten liegt. Für den Zuschauer bleibt die Schuldfrage „pädophiler Missbraucher und Mörder, ja oder nein?“ den ganzen Film über offen und die Argumente beider Parteien, machen es dem Zuschauer nicht leichter, sich auf eine Seite zu schlagen. So bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf die packenden Gespräche einzulassen und zu erkennen, dass auch vermeintlich unschuldige Teenager zu Bestien werden können – ob nun grundlos oder nicht, lasse ich hier offen!
Trotz der guten Umsetzung und einer absolut grandiosen schauspielerischen Leistung von Ellen Page und Patrick Wilson, habe ich mir während des Films Gedanken über die Psyche des 14-jährigen Mädchens machen müssen. In unserer Gesellschaft sind Mörder, Vergewaltiger und sonstige Straftäter traurigerweise eine Art Alltag geworden. Doch der Großteil unserer Gesellschaft schüttelt bei solchen Taten meist nur den Kopf und wünscht diesen Menschen das Schlimmste – aus pädagogischer und leider auch zu oft entlastender Sicht, wird eine schwere Kindheit vorgeschoben, aber dies soll hier nun nicht zur Debatte stehen. Was ich einfach nur interessant finde, ist die Frage, ob ein Teenager, wie in „Hard Candy“ wirklich solche Raffinesse und Phantasien besitzen kann, um so zu handeln, wie es in dem Film gezeigt wird?! Das Ganze ist in vielen Teilen schon sehr abgehoben und scheint unmöglich, aber solange man sich darauf einlässt, ist das dort dargebotene Bild nicht nur erschreckend, sondern zeigt was die Psyche alles mit einem Menschen anstellen kann.
Wirklich einziges Manko an der deutschen Fassung ist die Synchronisation. Über die Übersetzung, Emotion und Tonlage der Stimme lässt sich streiten, aber wenn das Gehörte nicht zur Bewegung der Münder passt, wirken manche Worte einfach fremd. Ich empfehle den Film daher auch auf Englisch – was nebenher den Vorteil hat, die Emotionen in den Stimmen auch 1 zu 1 einfangen zu können.
Abschließend kann ich nur sagen, dass „Hard Candy“ absolut sehenswert ist – wer Fan von Psychothrillern ist, hat mit diesem Streifen ins Schwarze getroffen!
Trailer:

chion sagte
Ich habe Hard Candy nur mit Mühe durchgestanden. Psychothriller dieser Art sind einfach nicht meine Stärke, und damit meine ich solche Filme, die in sich nicht ganz stimmig sind. Da ist das Mädchen, das einen Pädophilen erkannt haben will und nun zur Selbstjustiz greift, dieses aber auf eine Art und Weise, die mir die Haare zu Berge stehen ließen. Woher nimmt eine normale Vierzehnjährige diese sadistischen Einfälle nebst dazugehöriger Körperkraft? Wie kann sich innerhalb dieser doch relativ kurzen Zeitspanne ein erwachsener Mensch so manipulieren lassen, dass es auf dieses nun wirklich oberbescheuerte Ende hinauslief?
Allerdings muss ich sagen, dass die Schauspieler hervorragend waren, besonders Ellen Page, die entgegen ihrem zarten und zerbrechlichen Äußeren knallhart agierte und in diesem Psychoduell deutlich die Oberhand behielt. Patrick Wilson hatte mein ganzes Mitgefühl, dagegen anzuspielen hat ihm sicherlich einiges abgefordert.
B!zzY sagte
@Chion:
Du hast vollkommen Recht mit der Kritik daran, wie es möglich sein kann, dass ein solch junges Mädchen aller Hand Einfälle und manipulative Wege kennt. Das ist auch genau das der Punkt, der mich deutlich störte, allerdings bin ich meist auch in der Lage mir schnell zu sagen: „Ziemlich unmöglich, aber in welchen Filmen ist heute schon noch alles logisch?“
Und wenn man diesen Blickpunkt ausschalten kann bzw. das Schauspiel differenziert betrachtet, ist es genau nach meinem Geschmack.
Zudem gibt es schon viele Psychopathen, die komplett austicken und was sich in dem Fall bei Hayley abgespielt hat, wurde ja nicht genauer erläutert…
Aber davon mal ab, hab ich soeben einen anderen Film mit Ellen Page gesehen. Nennt sich „An American Crime“ und basiert auf einer wahren Geschichte. Ziemlich krass der Film und wird demnächst auch noch rezensiert.